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Tagundnachtgleiche

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Die Sonne, auf Deutsch mit franzö­si­schen Un­ter­ti­teln, Stück und Ins­ze­nie­rung von Oli­vier Py für die Volksbühne

Von Sarah Bo­gatay
Über­set­zung: Ida Maria Smentek
Bilder: Thomas Aurin 

Axel ist in Jo­sephs Bett ein­ges­chlafen. Er trägt immer noch sein Kostüm des Gottes Pan. Abend im Theater, wäh­rend er sich in der Gar­de­robe sch­minkte, biss er den In­ten­danten. Dieser fand das Stück nicht po­li­tisch genug. Als er ihn bat, näher zu kommen, nutzte er die Ge­le­gen­heit um ihm ein Stück vom Ohr ab­zu­reißen: „Ist das po­li­tisch genug oder wollen Sie, dass ich Ihnen ein Auge auss­teche?“

 Am Rosa-Luxem­burg-Platz ist die Nacht schon lange he­rein­ge­bro­chen, doch auf den Bret­tern der Volksbühne wird  eine an­dere Sonne auf­gehen. Der franzö­si­sche Autor und Re­gis­seur Oli­vier Py prä­sen­tiert sein Stück Die Sonne (Le So­leil): Eine Re­flexion über das Theater, die wie eine Selbst­beo­bach­tung er­scheint.

 Theater im Theater

Seit Axel  der Truppe von Jo­seph bei­ge­treten ist, beten ihn alle Schau­spieler an. Er verkör­pert alle Lei­den­schaften und glänzt durch sein Feuer und seine Ju­gend. Fas­zi­niert und an­ge­zogen von dieser flam­menden Persön­li­ch­keit, kreisen die Mit­glieder der Truppe um ihn. Ma­thias widmet ihm einen ma­ka­beren Kult wäh­rend Charly sich verk­leidet und tanzt, um ihn zu verführen. Al­lein der vernünf­tige und ernste Autor Jo­seph, sein Ri­vale in der Liebe wie in der Poesie, er­liegt dem bren­nenden Charme des jungen Mannes nicht. Beide teilen sich die Liebe Sentas,  Jo­sephs Ver­lobter. Sie er­wartet ein Kind, dessen Vater auch Axel sein könnte. Was diesen al­ler­dings nicht davon abhält, Jo­sephs Mutter hei­raten zu wollen. Aber es ist vor allem ihre Auf­fas­sung des Thea­ters, welche den Autor und den Schau­spieler ei­nander feind­lich ge­genü­bers­tellt. Jo­seph vers­teht das Theater als Ins­tru­ment wo­hin­gegen Alex es als Selbstz­weck be­trachtet. In einer nie­mals en­denden Dia­lektik stehen sich zwei Vi­sionen ge­genüber: Die des apol­li­ni­schen Thea­ters, ra­tio­nell, en­ga­gier und hoch po­li­tisch gegen jene des dio­ny­si­sche Theater, ins­pi­riert, sinn­lich,  das über den Vers­tand geht und keine Grenzen kennt. Eine Vors­tel­lung, die Oli­vier Py mit dem Haupt­cha­rakter seines Stü­ckes ge­mein hat.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 06. April 2012 um 13:13 Uhr

Organhandel im Kosovo- Die Sensation von Dick Marty

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Von Aude Louis­tis­se­rand
Über­set­zung: Ma­rina Hof­mann

In einem In­ter­view vom 30. De­zember 2010 im Zü­ri­cher Tages An­zeiger ver­glich der ko­so­va­ri­sche Pre­mier­mi­nister, Ha­shim Thaçi, den Be­richt von Dick Marty über die un­men­schli­chen Be­hand­lungen nach dem Ko­sovo Kon­flikt, mit der „Pro­pa­ganda von Goeb­bels“. Der Pre­mier­mi­nister wird in dem ge­nannten Be­richt, der in  den al­ba­nisch spra­chigen Län­dern wie eine Bombe ein­schlug, di­rekt dieser Sache bes­chul­digt. Etwas später als ein Jahr nach der Veröf­fent­li­chung des Be­richts durch den Eu­ro­parat in Straß­burg, scheint es, dass die An­ge­le­gen­heit ver­tu­scht worden ist. Der vor­lie­gende Ar­tikel ver­sucht die Pro­ble­matik des Be­richts so­wohl aus der Sicht des Au­tors als auch aus der Sicht der Ko­sovo Al­baner, die di­rekt von dieser An­ge­le­gen­heit be­troffen sind, dar­zus­tellen.

Hierbei müssen zwei mi­tei­nander ver­floch­tene Ges­chichten vo­nei­nander un­ter­schieden werden. Ers­tens der mut­maß­liche Or­gan­handel, der dem Ko­so­vo­kon­flikt 1999-2000 folgte und zwei­tens, der ak­tuelle Fall der Me­dicus Klinik, in der der Handel im Jahr 2003 er­neut be­gann. Letz­tere soll im Fol­genden nicht beachtet werden, da sie im Zu­sam­men­hang mit dem Na­ch­krieg­shandel steht.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 14. Februar 2012 um 00:54 Uhr

The Urban Cultures of Global Prayers

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collageneu3The Urban Cul­tures of Global Prayers

Rück­blick auf eine Auss­tel­lung in der NGBK, Ora­niens­trasse Berlin

Von Char­lotte Gün­ther 
Lek­torat : Alain Le Treut 
Col­lage : Katja Rei­chard

Vom 12. No­vember bis 8. Ja­nuar 2012 fand in der Neuen Ge­sell­schaft für Bil­dende Kunst in der Kreuz­berger Ora­niens­trasse die Auss­tel­lung "The Urban Cul­tures of Global Prayers" statt. Sie ging aus dem noch lau­fenden gross an­ge­legten Kultur- und For­schung­spro­jekt "Global Prayers: Erlö­sung und Be­freiung in der Stadt" hervor. Vom Ve­rein me­tro­Zones – Zen­trum für städ­ti­sche An­ge­le­gen­heiten ini­tiiert, bes­chäf­tigt es sich mit der Frage, wie re­li­giöse Prak­tiken die Stadt verän­dern und wie glei­ch­zeitig städ­ti­sche Räume neue Re­li­gio­sitäten her­vor­bringen.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurden be­reits exis­tie­rende wis­sen­schaft­liche, eth­no­gra­phi­sche und au­dio­vi­suelle Ar­beiten aus­gewählt, be­zie­hung­sweise für die Auss­tel­lung neu ent­wi­ckelt.  

Neben Fol­ge­pu­bli­ka­tionen und einer wei­teren Auss­tel­lung in Graz (27. Ja­nuar bis 31. März 2012) werden vom 23. bis 26. Fe­bruar 2012 im Haus der Kul­turen der Welt die The­men­tage „Global Prayers ve­rans­taltet. Die 4 The­men­tage sollen dazu ge­nutzt werden, über das Pro­jekt wis­sen­schaft­lich zu dis­ku­tieren und es in seiner mul­ti­me­dialen Viel­falt vor­zus­tellen.

So­viel zum Ablauf des Pro­jekts. Was sah man nun aber in der Ora­niens­trasse?

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 14. Februar 2012 um 00:08 Uhr

Ernährungssouveränität

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Von Au­rélie Wiel­chulda
Über­set­zung: Erik Walter 

Über eine Mil­liarde Men­schen auf der Welt leidet Hunger, und Un­te­rernäh­rung über einen län­geren Zei­traum führt zum Tod. Al­ler­dings würde die der­zei­tige welt­weite Nah­rung­smit­tel­pro­duk­tion nach An­gaben der Ernäh­rungs- und Land­wirt­schaft­sor­ga­ni­sa­tion der Ve­reinten Na­tionen FAO aus­rei­chen, um 12 Mil­liarden Men­schen zu ernähren.
In ihrem Kampf gegen den Hunger setzen sich daher viele Or­ga­ni­sa­tionen wie Nourrir notre monde, Centre tri­con­ti­nental, Oxfam oder Via Cam­pe­sina für das Kon­zept der Ernäh­rung­ssou­verä­nität ein.
Erst­mals vor­ges­tellt wurde dieses Kon­zept im Jahre 1996 von Via Cam­pe­sina.
Ernäh­rung­ssou­verä­nität ist das Recht der Länder, ihre Ernäh­rungs- und Land­wirt­schafts­po­litik auf die Bedürf­nisse ihrer Bevöl­ke­rung aus­zu­richten und so eine bes­sere Ver­tei­lung der her­ges­tellten Nah­rung­smittel zu er­rei­chen.

Theo­dore Schultz sagte 1979 in seiner Rede anläss­lich der An­nahme des Wirt­schafts­no­bel­preises:
Welt­weit ver­dienen die Armen ihr Ein­kommen hauptsä­chlich in der Land­wirt­schaft. Fol­glich würden Un­ter­su­chungen über die öko­no­mi­schen Struk­turen der Land­wirt­schaft Auf­schluss über die öko­no­mi­schen Struk­turen der Armut bringen.

Land­wirte in Ent­wi­ck­lung­slän­dern haben heut­zu­tage größ­ten­teils sch­wache Ein­kommen, die Zahl der armen Land­wirte welt­weit wird auf 700 Mil­lionen ges­chätzt.
Für ihre Rechte im Sinne der Ernäh­rung­ssou­verä­nität zu kämpfen, könnte die Armut auf der ganzen Welt si­gni­fi­kant ver­rin­gern. Eine OECD Studie  zeigt, dass der Rück­gang der Armut in Ent­wi­ck­lung­slän­dern in 52% der Fälle auf die Land­wirt­schaft zurück­geht.
Das Kon­zept der Ernäh­rung­ssou­verä­nität bes­teht aus meh­reren Punkten.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 06. April 2012 um 13:10 Uhr

Statt einer Rezension : Die Arbeit hinter den Kulissen der Ausstellung „Tür an Tür."

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Herzogin Hedwig, um 1530

Von Ida Maria Smentek

Über­set­zung Sarah Bo­gatay

Bilder Bay­ri­sche Schlös­ser­ver­wal­tung Land­shut Burg Traus­nitz: Her­zogin Hedwig, um 1530; Gergor H. Lersch 

1000 Jahre Ges­chichte, mehr als 70.000 Be­su­cher, 800 Ex­po­nate, 200 Leih­geber aus aller Welt, 3000 m² Auss­tel­lung­sfläche: die Auss­tel­lung „Tür an Tür“, die vom 23.09.2011 bis zum 09.01.2012 im Martin-Gro­pius-Bau Berlin zu sehen war, kann al­lein in Hin­blick auf ihre Zahlen als Mammut-Pro­jekt be­zeichnet werden.

Doch auch die In­ten­tion des Pro­jekts darf in ihrer po­li­ti­schen Di­men­sion nicht un­ter­schätzt werden. Zwanzig Jahre nach der Un­ter­zeich­nung des deutsch-pol­ni­schen Nach­bar­schafts­ver­trages wurde „Tür an Tür“ anläss­lich der pol­ni­schen EU- Rats­prä­si­dent­schaft ge­meinsam vom Kö­nig­sschloss War­schau und dem Martin-Gro­pius-Bau kon­zi­piert. Die Er­war­tungen an die Wir­kung der Auss­tel­lung ma­ni­fes­tieren sich wohl nir­gends besser, als in der Tat­sache, dass mit Herrn Bro­nisław Ko­mo­rowski und Herrn Chris­tian Wulff die Prä­si­denten beider Länder als pro­mi­nente Schirm­herren auf­treten. Was in der Kons­tel­la­tion Mer­kozy im nach­bar­schaft­li­chen Ve­rhältnis auf deutsch-franzö­si­scher Ebene vor­ge­macht wurde, soll nun auch hin­sicht­lich des dritten Gliedes des Wei­marer Dreiecks ges­chafft werden.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. Juli 2012 um 23:41 Uhr

Sei dein eigener Chef!

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kowa2Von: Ma­rina Hof­mann
Über­set­zung: Aude Louis­tis­se­rand
Bilder : Kowa e.V. 

Viele Stu­denten wollen bzw. müssen sich wäh­rend des Stu­diums etwas dazu ver­dienen, bloß wie? Das ist die Frage! Kell­nern, Na­ch­hilfe geben, Promo-Jobs- das kann ja jeder! Aber gibt es auch eine Mö­gli­ch­keit, die sich zusätz­lich gut im Le­bens­lauf macht? Wie wäre es ein ei­genes Un­ter­nehmen zu gründen? Zu sch­wierig? Von wegen!

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 11. Februar 2012 um 14:08 Uhr

Der helle Blick auf den Ozean

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Von Ma­reen Le­debur
Lek­torat: Su­sann Hoch­gräf
Fotos: Volker Ro­loff

Ein dunkler Raum, Mee­res­rau­schen und Wel­lenk­lang, in der Ferne dreht sich ein Leucht­turm, der Wind weht im Haar. Man merkt nicht, dass man in einem Raum der Ufers­tu­dios im Ber­liner Wed­ding steht, dass sich fester Boden statt Sand unter den ei­genen Füßen be­findet. Man kann die Augen schließen und ist ans Meer, ge­nauer ge­sagt an die bas­ki­sche At­lan­tikküste ver­setzt.
Mit ihrer Licht- und Geräu­schins­tal­la­tion „Hi­ger“ war dies genau das Ziel des Kol­lek­tivs Ar­ti­ta­detó. Sie und an­dere zeit­genös­si­sche Künstler ver­wan­delten für drei Tage im De­zember 2011 die Ufers­tu­dios in ein tiefes Blau. Die at­lan­ti­sche See, das so prä­gende Ele­ment einer Kultur, die sich ihr ständig ge­genüber sieht, bil­dete den the­ma­ti­schen Hin­ter­grund beim „2. Fes­tival bas­ki­scher Cho­reo­gra­phen in Berlin - Die Basken mit Blick auf den Ozean“.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 25. März 2012 um 20:55 Uhr

Die politische Krise Belgiens und die EU: Spannung zwischen Nationalismus und Solidarität

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URL450px-Flag_of_Belgium_civil.svg_copyVon Anne Cour­bois
Lek­torat Bar­bara Sch­mi­ckler

Ein neuer Wel­tre­kord, den Irak bi­sher hielt, wurde auf­ges­tellt. Am 6. De­zember 2011 been­dete Bel­gien die längste po­li­ti­sche Krise der Ges­chichte des Na­tio­nal­staates.  Nach den von dem Stürz der Re­gie­rung des Pre­mier­mi­nis­ters Yves Le­terme ve­rur­sachten vor­ge­zo­genen Wahlen am 13. Juni 2010 haben die po­li­ti­sche Vo­rhandler 541 Tage ge­braucht, um sich auf ein Koa­li­tion­sab­kommen zu ei­nigen und eine neue Re­gie­rung zu bilden. Die He­raus­for­de­rungen waren groß, die Wah­ler­geb­nisse kaum günstig für eine ef­fi­ziente Suche nach einem Kom­pro­miss. Die zwei Haupt­ge­mein­schaften des fö­de­ralen Landes –die Flamen und die Wal­lonen– scheinen un­ter­schied­liche Pers­pek­tive zu haben, was die Zu­kunft Bel­giens be­trifft: Wäh­rend die Ersten nach mehr Au­to­nomie für die fö­de­rierten Ins­tanzen streben, sind die Zweiten enger mit der Idee eines ein­heit­li­chen Staats ver­bunden.  Die Haup­tauf­gabe der Ve­rhandler war ent­schei­dend. Sie bes­tand darin, eine ins­ti­tu­tio­nelle Neu­ges­tal­tung des fö­de­ralen Sys­tems  dur­ch­zu­setzen und da­durch das po­li­ti­sche Gefüge des Zu­sam­men­le­bens in Bel­gien so­wohl in seinen kul­tu­rellen als auch in seinen wirt­schaft­li­chen As­pekten an­zu­passen. 
Ers­taun­li­cher­weise ist die bel­gi­sche Krise al­ler­dings kaum auße­rhalb von Bel­gien be­kannt ge­worden. Den­noch tragen die bel­gi­schen Pro­bleme po­ten­ziell eine hohe Be­deu­tung in der Eu­ropäi­schen Union. Sie stellen die Frage der ge­mein­samen Iden­tität von Völ­kern, die un­ter­schied­liche Spra­chen, Kul­turen und  sich in un­ter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen und so­zialen Lagen be­finden, die aber Teil einer ge­mein­samen po­li­ti­schen Struktur sind. Es stellt sich also die Frage der So­li­da­rität und des Zu­sam­men­le­bens in einer glo­ba­li­sierten plu­ra­lis­ti­schen Welt. Kann die bel­gi­sche Krise die He­raus­for­de­rungen auf der eu­ropäi­schen Ebene zeigen?

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 18:09 Uhr

Empört Euch!

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Von Isha Da­laya
Über­set­zung von Sina Stach 

Der 15. Mai 2011 ist zur Ge­burtss­tunde der Empörten ge­worden. Da­mals hatte die Be­we­gung, die sich zum ersten Mal in Ma­drid ver­sam­melte, ohne jeden Zweifel noch keine Ah­nung darüber, wie sich die Dinge ent­wi­ckeln würden. Ihre For­de­rungen sind zunächst noch lokal. Kurz vor den Kom­munal- und Re­gio­nal­wahlen kün­digen sie harte Spar­maß­nahmen an, welche die schon von mas­siver Ar­beits­lo­sig­keit gebeOccupy Berlinutelten jungen Spa­nier zusätz­lich treffen. Ermüdet von der nicht enden wol­lenden Wirt­schafts­krise und gegen Ban­kern re­vol­tie­rend for­dern die Ak­ti­visten eine wirk­liche De­mo­kratie. Dank der So­zialen Netz­werke breitet sich die Be­we­gung in ganz Spa­nien aus. Der Funke springt über und es kommt zu einer Ket­ten­reak­tion. In Länder wie Fran­kreich, Bel­gien, Deut­schland, Grie­chen­land und selbst Is­rael werden wäh­rend des Som­mers 2011 Zelte auf­ges­chlagen. Schließ­lich sind es je­doch die Ame­ri­kaner, die der ganzen Be­we­gung eine glo­bale Di­men­sion ver­leihen, als sie sich Mitte Sep­tember mit ihren Zelten im Zuc­cotti Park nie­der­lassen, den sie zu­gleich in „Platz der Frei­heit“ um­be­nennen und wo sie gegen das ka­pi­ta­lis­ti­sche System der USA de­mons­trieren. Oc­cupy Wall Street ist ge­boren. „We are the 99%“, so ihr Slogan: Wir re­prä­sen­tieren die Meh­rheit der Welt­bevöl­ke­rung ge­genüber dem einen Pro­zent, der allen Reichtum für sich beans­prucht. Trotz der ge­walttä­tigen Re­pres­sionen der Po­lizei, der Ver­samm­lung­sver­bote, der zahl­rei­chen Zer­schla­gungen des Camps und trotz der über­wie­gend kri­ti­schen Ge­sin­nung von Me­dien und Staats­ge­walt, ist die Be­we­gung immer noch am Leben, was sie ge­rade erst durch ihren zweiten großen welt­weiten Ak­tionstag am 15. Ja­nuar 2012 de­mons­trierte.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 05. Februar 2012 um 17:35 Uhr

Wenn der Euro wankt, hat die Klimapolitik das Nachsehen

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von Lisa Mau­shake

An­ge­sichts der der­zei­tigen Be­rich­ters­tat­tung in den Me­dien, ist der Be­darf an schlechten Neuig­keiten wohl nicht nur in Deut­schland und Eu­ropa vo­rerst ge­deckt. Die Rede ist von bil­lio­nen­sch­weren Ver­schul­dungen ein­zelner Staaten, die ganze Volks­wirt­schaften welt­weit la­wi­ne­nartig mit sich in den Ab­grund ziehen könnten. Tä­glich dringen wei­tere Mel­dungen über be­vors­te­hende Staats­ban­krotte, immer größere Ret­tungs­schirme und er­neute Kri­sen­treffen von „Mer­kozy“ an die Öf­fent­li­ch­keit. Die Un­ge­wis­sheit ist groß. Si­chere An­lagen gibt es nicht mehr. Gerät die Welt­wirt­schaft in solch akute Seenot, ist das öf­fent­liche In­te­resse an wei­teren Ka­tas­tro­phen ents­pre­chend ge­ring.

Es scheint als sei neben den, die Ti­tel­seiten be­herr­schenden, Ar­ti­keln zur ak­tuellen Fi­nanz­krise kein Platz mehr für Fragen des Kli­ma­wan­dels. Den­noch ist es heute wich­tiger denn je da­rauf auf­merksam zu ma­chen. 2012 ist das Jahr in dem das Kyoto-Pro­to­koll ausläuft. Dabei han­delt es sich um den bi­sher ein­zigen rechts­ver­bind­li­chen Pakt zwi­schen den In­dus­trie­na­tionen, in dem eine Re­duk­tion von Treib­haus­ga­se­mis­sionen fest­ges­chrieben ist. Auf­stre­bende Sch­wel­lenländer wie China, In­dien oder Bra­si­lien sind bi­sher von sol­chen Ver­bind­li­ch­keiten aus­ge­nommen. Es han­delt sich aber um Volks­wirt­schaften deren Wirt­schafts­leis­tung ra­pide steigt. Dies hat einen erhöhten Ener­gie­be­darf zur Folge, der mit fos­silen Brenns­toffen so­wohl tech­no­lo­gisch am ein­fachsten als auch am billig­sten zu de­cken ist. Kohle  ist immer noch einer der wich­tig­sten Rohs­toffe für die Stro­mer­zeu­gung. Bei dessen Ver­bren­nung ents­teht CO₂, das als Treib­hausgas di­rekt in die At­mos­phäre ge­langt.  In der Kon­se­quenz sieht sich die Welt­ge­mein­schaft ten­den­ziell einem erhöhten Ausstoß von Treib­haus­gasen ge­genüber.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 11. Februar 2012 um 14:07 Uhr

Syrien: Menschliche Normalität auf politischer Waagschale

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Von Katja Schlangen

Wer als Tou­rist ein Land wie Sy­rien be­sucht, bringt ge­wisse Er­war­tungen mit. Ein Land unter einer lu­pen­reinen Dik­tatur, so weit ent­fernt von un­serer De­mo­kratie. Man er­wartet Wi­ders­tand, Angst, Schre­cken und Wut in den Ge­sich­tern der Be­wohner. Mi­litär und pa­trouillie­rende Po­li­zisten an jeder Straße­necke runden das Kli­schee ab. Ei­nige dieser Er­war­tungen bestä­tigen sich be­reits beim Grenzü­ber­gang. Etwa die Por­träts des Prä­si­denten Ba­shar al-Assad und seines Vater, Hafiz al-Assad der mit einem Mi­litär­putsch den heu­tigen Staat Sy­rien grün­dete. Von jedem Hotel, jedem Laden und jedem Res­tau­rant aus ver­folgen sie einem quer durch Sy­rien. Oder die häu­figen Pass­kon­trollen, welche jeden größeren Orts­wechsel be­gleiten. Doch wäh­rend man etwa die Ruinen Pal­myras er­kundet oder durch die Suqs von Aleppo und Da­maskus streift, sind die Spuren der herr­schenden Dik­tatur so gut wie un­sichtbar. Denn das Leben an sich, der Alltag, ist ers­taun­lich alltä­glich.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 05. Februar 2012 um 20:04 Uhr

"Ziemlich beste Freunde": Vom Ohrenlecken und Gleitschirmfliegen

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Von Bar­bara Sch­mi­ckler
Fotos: www.fran­zoe­si­sche-film­woche.de

Driss und Philippe unterwegsZuerst sieht der Zu­schauer nur seine dunklen Augen, seine Hände, die fest das Len­krad um­schließen und den Wagen, der viel zu sch­nell an­dere Autos übe­rholt. „Sie sind in Form“, merkt Phi­lippe an. Driss lacht. Die beiden so un­ter­schied­li­chen Männer ver­bindet eine un­gewöhn­liche Freund­schaft, die der Film „Ziem­lich beste Freunde“ erzählt. In den Haup­trollen spielen Fran­çois Cluzet (Phi­lippe) und Omar Sy (Driss). Regie führten Eric To­le­dano und Oli­vier Na­kache. 


In Deut­schland ist der Film „Ziem­lich beste Freunde“ am 5. Ja­nuar ges­tartet, das Stück hatte al­ler­dings schon einen Monat vor dem of­fi­ziellen Film­start in Deut­schland seine Pre­miere als Eröff­nung­sfilm der Franzö­si­schen Film­woche in Berlin ge­feiert. Im Ori­ginal heißt der Film „In­tou­cha­bles“ und ist mit 2,2 Mil­lionen Zu­schauern in der ersten Woche er­fol­greich in Fran­kreich ges­tartet.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 11. Februar 2012 um 14:08 Uhr

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