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Das Auto

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Von: Thomas Le­sa­chey
Über­set­zung: Maike Hansen
Foto:www.flickr.com (© Lin­coln­blues)

Das "deut­sche Wirt­schafts­mo­dell" wird häufig als lan­glebig bes­chrieben. Ge­rade in den Prä­si­dent­schafts­wahlen 2012 in Fran­kreich ver­wies man auf die Sta­bi­lität un­serer Nach­barn öst­lich des Rheins, auf seine ge­sunde In­dus­trie. Im Hin­blick auf die Lage der franzö­si­schen In­dus­trie sollte sich daran orien­tiert werden.
Die Pro­duk­tion von Autos, vor allem stark die der stark mo­to­ri­sierten Luxus­mo­dellen, gilt als "Ga­lions­figur" der deut­schen In­dus­trie.Die Zahlen von Audi, Mer­cedes, Volks­wagen, BMW und Por­sche sind (ob nun im Pro­duk­tions­wachstum, im Ber­reich In­ves­ti­tion in­ne­rhalb der Ent­wi­ck­lung­sfor­schung oder im Ge­winn) beein­dru­ckend. Die An­gaben wirken umso spek­ta­kulärer, wenn be­dacht wird, dass sie sich dem Trend der welt­weiten Krise der Au­to­mo­bi­lin­dus­trie (vor allem in der franzö­si­schen Branche) und der Wirt­schafts­krise ent­ge­gen­setzen.

Im Jahr 2011 wurden welt­weit 66 Mil­lionen Fahr­zeuge pro­du­ziert. Davon sind 13 Mil­lionen in der deut­schen Pro­duk­tion ents­tanden - ein Re­kord! Diese Fakten zeigen einen Ans­tieg in der Pro­duk­tion von 11,5 % ge­genüber dem Jahr 2010. Wie konnten sich solche Zahlen er­geben, wo doch der Rest von Eu­ropa Sch­wie­rig­keiten hat, den Weg zum Wachstum der In­dus­trie zurück zu finden?
Die erste Ant­wort auf diese Frage liegt in der Aus­la­ge­rung drei­vier­tels der Pro­duk­tion deut­scher Au­to­mo­bil­hers­teller in Sch­wel­lenlän­dern. Außerdem pro­fi­tieren die Firmen von der un­ter­neh­mer­freund­li­chen Po­litik Deut­schlands. Dazu kommt natür­lich, dass beim Ver­kauf auf das Image der Marken ge­setzt wird.

"Es sollte prin­zi­piell wichtig für den Au­to­mo­bil­hers­teller sein, ein Fahr­zeug zu kon­zi­pieren, das Fas­zi­na­tion auf den Kunden ausübt" erklärte Martin Win­ter­korn, der­zei­tiger Prä­si­dent der Volks­wa­gen­gruppe. Tatsä­chlich liegt der Grund für den strah­lenden Er­folg der deut­schen In­dus­trie im Image des "deut­schen Autos". Dieses Image ent­wi­ckelte sich aus der Rolle der deut­schen Ka­ros­serie als Pres­ti­geob­jekt, was ohne Zweifel erklärt, warum die "Neu­rei­chen" in Sch­wel­lenlän­dern eher dazu ten­dieren einen Mer­cedes ans­tatt einen Re­naults zu kaufen. Ein deut­sches Auto zu kaufen ist eine Wer­tan­lage, die glei­ch­zeitig einen bes­timmten so­zialen Status be­weist.
Den­noch liegt die Stärke der deut­schen Au­to­hers­teller darin, sich nicht auf diesem Image aus­zu­ruhen. Im Ge­gen­teil, sie wussten, wie sie ihr Pro­dukt tech­nisch ho­chin­no­vativ wei­te­rent­wi­ckeln konnten. An dieser Stelle sei die Volks­wa­gen­gruppe ge­nannt, die 2011 einen Re­kord-Net­to­ge­winn von 15,799 Mil­liarden Euro vor­weisen konnte. Doch das ist noch nicht alles: Bis 2016 sollen 76 Mil­liarden Euro in­ves­tiert werden. In der heu­tigen Lage ist es phä­no­menal!

Im Ver­gleich in­ves­tiert Re­nault-Nissan in die For­schung von Elek­tro­fahr­zeugen nur 4 Mil­liarden Euro, Audi al­lein hin­gegen al­lein in diese Sparte 10 Mil­liarden. Die Zahlen des ersten Quar­tals scheinen VW’s Aus­gaben zu recht­fer­tigen: Der Au­to­kon­zern aus Wolf­sburg er­zielte einen Net­to­ge­winn von 8 Mil­liarden Euro über diesen Zei­traum hinweg. Das Ziel des Kon­zerns war es, eine neue Platt­form zu be­nutzen (für den Golf 7 und den Audi A3 exi­si­tierte diese be­reits), die es VW ermö­gli­chen würde, alle Mo­delle (das bein­haltet Volks­wagen, Audi, Skoada und Seat) zu pro­du­zieren. So würde der
Kon­zern seine tech­ni­sche Auss­tat­tung ver­bes­sern, 20% der Pro­duk­tions­kosten eins­paren und be­weisen, dass seine Mo­delle nicht in­kom­pa­tibel sind.
Zudem bleibt der deut­sche Markt in Be­we­gung. Dies be­weist die Ent­wi­ck­lung der Marke Audi. Vor dreißig Jahren wurde Audi noch als Marke mit durch­sch­nit­tli­chem Pres­tige be­wertet. Im Laufe der Zeit ent­wi­ckelte sie sich durch In­ves­ti­tionen in Mar­ke­ting und Ent­wi­ck­lung zu einer Pre­mium­marke. Seit VW 1964 die Marke Audi auf­kaufte, wurde Audi zur tech­ni­schen In­ves­ti­tions­marke und zum Pro­dukt von be­son­derer Qua­lität des Au­to­hers­tel­lers.


Die Zahlen bestä­tigen das. Im Ver­gleich zu 2010 erhöhte sich der Ge­winn der Marke Audi um 13 %. Beein­dru­ckend, wenn die der­zei­tige Wirt­schafts­lage mit in Be­tracht ge­zogen wird. Das lässt au­to­ma­tisch die Ent­schei­dungen franzö­si­scher Au­to­fa­bri­kanten über­denken – Re­nault setzt mit seinem Mo­dell Dacia eher auf eine „low cost“ Pro­duk­tion.
Eine wei­tere Stärke der deut­schen Au­toin­dus­trie lag in der frühen In­ter­na­tio­na­li­sie­rung des Marktes. Das bewährte sich in der Au­toin­dus­trie nicht immer glei­cher­maßen.
An diesem Punkt sollte fest­ge­halten werden, dass außer Ford nur sehr we­nige ame­ri­ka­ni­sche Au­to­marken auf dem eu­ropäi­schen Markt ver­treten sind. Eine dieser ame­ri­ka­ni­schen Marke ist Ge­neral Mo­tors. Ein Kon­zern, der lange als er­fol­greichster welt­weiter Au­tohändler agierte (im Mo­ment je­doch von Toyota übe­rholt wurde), und dem es ge­lang, sich an die eu­ropäi­schen Bedürf­nisse und Märkte an­zu­passen.
Im Ge­genzug exis­tiert Volks­wagen schon seit 30 Jahren auf dem chi­ne­si­schen Markt. Dies bot dem deut­schen Kon­zern die Chance, die Bedürf­nisse des Marktes besser ken­nen­zu­lernen. Das zeigt sich nun in den dort pro­du­zierten, an den Markt an­ge­passten Fahr­zeugen, wie zum Bei­spiel am Mo­dell San­tana (VW).

Die Er­for­schung der Bedürf­nisse zahlte sich aus, Mitte 2011 fanden be­reits 2,2 Mil­lionen Fahr­zeuge Ab­satz auf dem chi­ne­si­schen Markt. Ver­gli­chen mit den franzö­si­schen Ver­kauf­szahlen von Ci­troën (220 000) liegen die Deut­schen ein wei­teres Mal weit vorn.


Doch auch Volks­wagen plant eine „Low-Cost-Serie", die sich al­ler­dings auf die großen Sch­wel­lenländer be­zie­hung­sweise BRIC Staaten (Ba­si­lien, Russ­land In­dien und China) kon­zen­triert. Wahr­schein­lich liegt dort der Fehler der franzö­si­schen Au­toin­dus­trie, sie ver­na­chläs­sigte bi­sher die Mö­gli­ch­keiten, die der Boom in den Sch­wel­lenlän­dern bietet.
Al­ler­dings ist es noch nicht zu spät, um auf­zu­holen. Der eu­ropäi­sche Markt liegt im Sterben seit der Wirt­schafts­krise und wird sich vo­raus­sicht­lich nicht so sch­nell wieder erholen. Un­sere Au­to­hers­teller sollten sich nicht am schrump­fenden eu­ropäi­schen Markt fest­zu­halten, son­dern sich eher auf den wach­senden in­ter­na­tio­nalen Markt kon­zen­trieren.
Im Jahr 2012 stammten nur 40% des Ge­winns von VW aus Eu­ropa, 31% je­doch be­reits aus China! Des Wei­teren wuchs der Mark­tan­teil im asia­tisch-pa­zi­fi­schen Raum um 23%, in Sü­da­me­rika um 8%, in Russ­land um 38% und um 34% in den USA.
Ebenso pro­fi­tieren auch Mer­cedes und BMW als alt­bewährte Pre­mium­marken (auch wenn die Kon­kur­renz durch Audi immer stärker zu­nimmt) von der Zu­nahme der Na­ch­frage in den Sch­wel­lenlän­dern.
Immer mehr und mehr „Neu­rei­che“ kaufen sich ein sol­ches Luxu­sauto, um ihren neuen so­zialen Status zu prä­sen­tieren. Da ein Auto Reichtum und Ex­tra­va­ganz auss­trahlen muss und die deut­schen Autos über diese Ei­gen­schaften verfügen, ge­nießen die Hers­teller in diesem Hin­blick in den Sch­wel­lenlän­dern einen ex­zel­lenten Ruf.

Aber natür­lich ist der Ex­port nicht alles. Die deut­schen Au­to­hers­teller erhalten von der Re­gie­rung eine im­mense Kon­junk­turs­pritze.
Außerdem können die­je­nigen, die den Kauf von Autos durch Un­ter­nehmen "sub­ven­tio­nieren", den An­schaf­fungs- und Ben­zin­preis ihrer "Dienst­wagen" zu 100% von der Steuer ab­setzen! Ein rie­siger Steuer­vor­teil, der kei­nerlei Grenze an CO2 Emis­sionen verp­flichtet ist.
Da die großen Autos mehr ver­brau­chen und teuer sind, wird der Steuer­vor­teil bei der An­schaf­fung eines Luxus­mo­dells nur noch größer.
Diese Po­litik Deut­schlands steht im Ge­gen­satz zu der an­derer Länder, wie zum Bei­spiel Fran­kreich, wo die An­schaf­fung eines Autos mit einer hohen CO2 Emis­sion bes­traft und der Kauf eines "sau­beren" Autos geför­dert wird. Die Po­litik des Hei­mat­landes lässt die deut­schen Um­welt­schützer erröten, wie zum Bei­spiel Pa­trick Huth, der im De­zember 2012 erklärte: "Deut­schland be­treibt die ab­sur­deste Au­to­mo­bil­sub­ven­tions­po­litik der Welt!"

Aber in einem Land, wo das Auto einen so­zialen Status dars­tellt, sind die Firmen an­ge­halten, ihre Ma­na­gern in den Füh­rung­se­tagen als Teil ihres Ein­kom­mens mit Luxus­ka­rossen aus­zurüsten. Man er­kennt, dass dieses System eine Krise in der deut­schen Au­toin­dus­trie unmö­glich machte, da die "ab­ges­pro­chenen" Käufe 32 % aller Au­to­verkäufe 2012 in Deut­schland dars­tellten - sogar 86 % im Be­reich der Luxu­sautos!
So wurden 71% aller ver­kauften Por­sche Wagen im letzten Jahr in Deut­schland durch dieses System an Firmen ver­kauft. Die Deut­sche Te­lekom steht ganz oben auf der Ab­neh­mer­liste, das Un­ter­nehmen verfügt über 38.000 Autos, der Groß­teil steht den An­ges­tellten zur Verfü­gung.

Zu­sam­men­fas­send sollte ge­sagt sein, dass das deut­sche Auto es ges­chafft hat, einen wahren Hype um seine In­dus­trie ents­tehen zu lassen. Dieser Hype zeigt sich unter an­derem in den ak­tuellen wirt­schaft­li­chen Er­folgen.
Junge deut­sche In­ge­nieure, die frisch von der Uni­ver­sität kommen, haben alle den glei­chen Traum: Im Re­search & De­ve­lop­ment Be­reich der großen Au­to­mo­bil­kon­zerne zu ar­beiten. Ohne Zweifel ist Martin Win­ter­korn eines der besten Bei­spiele. An­ge­fangen als In­ge­nieur ar­beitet er nun als Chef der VW Gruppe.
Genau daher rührt das ei­gent­liche Ge­heimnis der stän­digen Ent­wi­ck­lung und Ver­bes­se­rung des deut­schen Autos, aber auch dessen Er­folg:
Eine Lei­den­schaft ent­wi­ckelte sich über Jahre, die von Ge­ne­ra­tion zu Ge­ne­ra­tion wei­ter­ve­rerbt wird. Und sie, diese Lei­den­schaft, kennt keine Krise!

Bild-Quelle:
http://www.flickr.com/photos/lin­coln­blues/3204816898/  (droits liées à Lin­coln­blues)

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