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Interview mit Alain Mabanckou

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MABANCKOU_c_HermanceTriay

Von Alain Le Treut
Über­set­zung: Alain Le Treut / Lena Loose
Bild: © Her­mance Triay

Alain Le Treut - In « Black Bazar » wird der Erzähler zum Spra­chohr von un­ter­schied­lichsten Mei­nungen über die Ko­lo­ni­sa­tion. Kann Ihr Werk dazu bei­tragen junge Leute über diese De­batte na­ch­denken zu lassen?

Alain Ma­ban­ckou - Das Thema Ko­lo­ni­sa­tion wird tatsä­chlich sehr the­ma­ti­siert in dem Buch. Es ist prä­gnant, weil diese Fra­ges­tel­lung in Fran­kreich Tabu ist. Dort ver­sucht man oft die Ko­lo­ni­sa­tion zu glo­ri­fi­zieren, ob­wohl sie unter an­derem auch die Ver­nich­tung von den afri­ka­ni­schen Kul­turen mit sich brachte. Des­wegen denke ich, dass junge Leute über diesen As­pekt na­ch­denken können, um die Würde ihren Kul­turen wie­der­zu­finden.

A.L.T. - Sie entführen den Leser mitten in eine durch Mi­gra­tion ge­prägte Ge­sell­schaft. Welche Be­zie­hung haben Sie zu diesen Teilen der franzö­si­schen Bevöl­ke­rung

A.M. - Ich bin in Fran­kreich als Im­mi­grant an­ge­kommen und kenne sehr gut die Sch­wie­rig­keiten, die mit diesem Status ver­bunden sein können. Ich be­wege mich viel in den po­pulären Be­zirken, wo sich die Kul­turen ver­mi­schen. Ich habe sogar eine Woh­nung im Herz des 18. Stadt­be­zirks in Paris. Ich sehe den kul­tu­rellen Reichtum dieser po­li­tisch eher aus­ge­grenzten Kreise. Ich bleibe in ihrer Nähe.

A.L.T. - Der Be­ni­ni­sche Schrifts­teller Olympe Bhêly Quénum de­nun­ziert einen « Os­tra­zismus» ge­genüber vielen afri­ka­ni­schen Schrifts­tel­lern sei­tens der li­te­ra­ri­schen Kri­ti­ker­kreise in Fran­kreich. Sind Sie op­ti­mis­tisch oder pes­si­mis­tisch bezü­glich einer bes­seren Aner­ken­nung der afri­ka­ni­schen Li­te­ratur in den franzö­sisch li­te­ra­ri­schen Kreisen?

A.M. - Ich glaube nicht an diesen Os­tra­zismus. Wir afri­ka­ni­sche Schrifts­teller müssen uns selber Fragen stellen, um mit der Hilfe un­serer Texte die li­te­ra­ri­sche Land­schaft Fran­kreichs zu be­wegen. Heut­zu­tage findet man in Fran­kreich Texte afri­ka­ni­scher Schrifts­teller in wich­tigen franzö­si­schen Zei­tungen  („Le Monde“, „Li­bé­ra­tion“, „Le Nouvel Ob­ser­va­teur“ usw.). Schrifts­tel­lern wie Fatou Diome (Se­negal), Léo­nora Miano (Ka­merun), Gil­bert Ga­tore (Ruanda) usw. sind ge­genwär­tiger ge­worden. Ich bin davon sehr be­geis­tert und weiß, dass es keine li­te­ra­ri­sche Dis­kri­mi­nie­rung gibt. Außerdem muss man daran erin­nern, dass afri­ka­ni­sche Schrifts­teller große li­te­ra­ri­sche Preisen be­kommen, die bis­lang für Fran­zosen re­ser­viert waren. Ein franzö­si­scher He­raus­geber, der einen afri­ka­ni­schen Schrifts­teller veröf­fent­licht ohne seine Ver­kauf­sför­de­rung zu über­nehmen ist für mich un­vors­tellbar. Es wäre ein kom­mer­zieller Ver­lust für den He­raus­geber.

A.L.T. - Wie haben Sie auf die Veröf­fent­li­chung Ihres Bu­ches in Deut­schland rea­giert?



Es ist eine gute Na­chricht. Ob­wohl meine Ar­beiten be­reits in mehr  als zwölf Spra­chen über­setzt wurden ist dies das erste Mal, dass einer meiner Texte auf Deutsch veröf­fent­licht wurde. Ich hoffe, dass die deut­schen He­raus­geber meine vo­rhe­rigen  Ro­manen in Zu­kunft auch über­setzen werden.



Veröf­fent­licht am 1.3.2010 auf Ren­con­tres.de

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