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Politik und Medien : gefährliche Seilschaften

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Von Cé­cile Poi­riez
Deut­sche Über­set­zung Cé­cile Poi­riez, Lek­torat Sina Rad­datz
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 Mike Kollöffel, DR © Type 1

So­wohl im Fern­sehen als auch auf der großen Lein­wand hat Dä­ne­mark zur­zeit Auf­wind! Nach Lars von Trier und Mads Mik­kelsen ers­taunen die Dänen immer noch das in­ter­na­tio­nale Pu­blikum. Ihr letzter großer Er­folg: „Borgen - Gefähr­liche Seil­schaf­ten“. Wäh­rend ARTE ge­rade die dritte und al­ler­letzte Staffel aus­ges­trahlt hat, zurück zu dieser po­li­ti­schen Serie - die wahrer ist denn je!

Zwi­schen Fik­tion und Rea­lität

„Bor­gen“, „das Schloss“ auf Dä­nisch, ist die Hoch­burg des po­li­ti­schen Le­bens in Dä­ne­mark. Mitten in Ko­pen­hagen, auf Schloss Chris­tians­borg, ver­sam­meln sich die ver­schie­denen po­li­ti­schen Ins­ti­tu­tionen des Kö­ni­greichs. Der Zu­schauer findet sich in­mitten des dä­ni­schen Par­la­ments, dem Fol­ke­ting, dem Re­gie­rung­schef sowie dem Obersten Ge­richt­shof und sitzt in der erste Reihe des po­li­ti­schen Thea­ters und blickt hinter seine Ku­lissen. Ein Theater mit vielen Hand­lung­ss­trängen: Machtü­ber­nahme, Kom­pro­misse, Auf­stiege und po­li­ti­sche Tief­schläge: Will­kommen an der Machts­pitze!

„Bor­gen“ bringt die Be­zie­hungen zwi­schen den Po­li­ti­kern und Jour­na­listen ans Licht und diese Wech­sel­be­zie­hung wird erstk­lassig durch ein be­mer­kens­wertes Trio von Schau­spieler verkör­pert: Sidse Ba­bett Knudsen (Bir­gitte Ny­borg), Bir­gitte Hjort Sø­rensen (Ka­trine Føns­mark) und Pilou Asbæk (Kasper Juul). Bir­gitte Ny­borg ist jetzt Pre­mier­mi­nis­terin und kämpft für die De­mo­kratie in Dä­ne­mark. Dabei stößt sie auf viele Hin­der­nissen und muss ihr Fa­mi­lien­leben mit ihrer Kar­riere ve­rein­baren, so gut es eben geht. Auf ihrem po­li­ti­schen Weg wurde sie vom ziem­lich skru­pel­losen, aber mi­treißenden Spin-Doctor Kasper Jull un­terstützt. Er ist einer der besten Mit­telsmänner zwi­schen Po­li­ti­kern und Jour­na­listen. Ka­trine Føns­mark ist eine lei­den­schaft­liche Jour­na­listin und Ex­freundin von Kasper Jull und bemüht sich um einen mo­ra­li­schen und ethi­schen Jour­na­lismus.

Diese Serie spricht über die Verknüp­fungen zwi­schen Po­litik und Me­dien, bei denen die Grenze ziem­lich schmal bleibt. Ob be­ru­flich oder privat, Jour­na­listen und Po­li­tiker treffen sich ständig und das eine geht nicht ohne das an­dere: Po­li­tiker brau­chen die Me­dien, um ihre Wähler zu an­zus­pre­chen, und die Me­dien brau­chen die Po­li­tiker für die Ein­schalt­quote. Das kann dann natür­lich an Me­dien-Persön­li­ch­keiten erin­nern wie zum Bei­spiel an den ehe­ma­ligen franzö­si­schen Jour­na­listen Claude Sé­rillon, der als neuer Kom­mu­ni­ka­tions­be­rater von Fran­çois Hol­lande ar­beitet oder an Steffen Sei­bert, der der­zeit als Re­gie­rung­ss­pre­cher von An­gela Merkel ar­beitet und eben­falls ein ehe­ma­liger Jour­na­list ist.

Und was für ein Er­folg!

Der Se­rien-Autor Adam Price hat in einem In­ter­view in der franzö­si­schen Zeit­schrift „Paris-Match“ (09/10/2013) ges­tanden, dass er sich eine Mil­lionen Zu­schauer gewün­scht hat. Und die hat er tatsä­chlich er­reicht! Gar nicht so schlecht für ein Land mit nur 5,6 Mil­lionen Ein­woh­nern. Die sonn­tags unaus­wei­chliche Serie, die sch­nell Kults­tatus hatte, hat sich auch gut ins Aus­land ex­por­tieren lassen, sie wurde in 74 Länder ver­kauft. Der Er­folg von „Bor­gen“ ist umso ers­taun­li­cher, weil sie auf dem dä­ni­schen Öf­fent­li­chen Fern­seh­sender DR ge­zeigt wurde. Ob­wohl Adam Price in seiner Ar­beit große Frei­heit ge­nossen hat, wurden ei­nige Punkte der Serie ve­rhan­delt - bei­spiels­weise die Rol­len­ver­tei­lung oder die Dre­horte. Den­noch war es ziem­lich mutig von Autor und Sender, über na­tio­nale Po­litik in der Pri­me­time zu reden, was aber mit hohen Ein­schalt­quoten und einem be­geis­terten Pu­blikum be­lohnt wurde.

Die Suc­cess-Story geht aber noch weiter. Bir­gitte Ny­borg hat auf beiden Seiten des Rheins das Pu­blikum be­geis­tert. Was übe­rhaupt keine Über­ra­schung ist, weil „Das Schloss“ auf ARTE über­tragen wurde. Of­fen­sicht­lich, dass der deutsch-franzö­si­sche Sender krea­tive Pro­duk­tionen liebt, da er auch die ame­ri­ka­ni­sche Serie „Brea­king Bad“ ge­sendet hat. Dank „Bor­gen“ hatte ARTE im Jahr 2012 einen Um­satz von 3,5% Mark­tan­teil.

Was in der dä­ni­sche Serie gefällt, ist al­ler­dings die un­glau­bliche Au­then­ti­zität der Fi­guren und der Ges­chichte. Mit der Ab­sicht, uns die Ku­lissen des po­li­ti­schen und jour­na­lis­ti­schen Le­bens zu ver­raten, ba­siert der in­ter­na­tional Er­folg von „Bor­gen“ auf dem uni­ver­sellen Be­griff der Po­litik. Eine an­dere Ur­sache dieses Er­folgs ist auch der Rea­lismus, wie das be­ru­fliche und pri­vate Leben sich ver­mi­schen, sagte die Schau­spie­lerin Bir­gitte Hjort Sø­rensen dem Arte Ma­ga­zine (26/09/2013). Die po­li­tisch-me­diale In­trige ist das Herz der Hand­lung, aber da­durch wird sie nicht „po­li­tisch kor­rekt“ - der Autor hat es glanz­voll ges­chafft, das große Thema Po­litik mit Fik­tion zu ver­mengen. Eine wei­tere Be­son­de­rheit: es stehen Frauen im Vor­der­grund der Hand­lung: als Pre­mier­mi­nis­terin oder Jour­na­lis­tinnen über­nehmen Frauen die Füh­rung.

Po­litik und Jour­na­lismus: der neue Trend

Eine skan­di­na­vi­sche Welle über­flutet un­sere Leinwände. „Bor­gen“ feiert Triumphe, aber es ist nicht die ein­zige Serie, die das in­ter­na­tio­nale Pu­blikum über­zeugt hat. Die Krimi- und Polit-Serie „The Killing“ wird von DR1 und ARTE di­rekt hinter „Bor­gen“ aus­ges­trahlt. Ei­nige Schau­spieler von „Das Schloss“ sind auch in der neuen dä­ni­schen Fik­tion zu sehen, si­cher­lich der neue große Er­folg.

Das Zu­sam­men­spiel von Po­litik und Me­dien scheint ein uner­schöp­fli­ches Thema zu sein. Auch die USA haben ihre Serie: „House of Cards“. Um die Haupt­figur des von grau­samem Ehr­geiz ge­trie­benen Francis „Frank“ Un­der­wood, verkör­pert von Kevin Spacey ent­wi­ckelt sich die In­trige um Kor­rup­tion vor dem Hin­ter­grund von engen Be­zie­hungen zu Jour­na­listen. Liebes-, Pro­fits­be­zie­hungen, be­zau­bernde oder gefähr­liche Seil­schaften: die po­li­ti­sche Ges­chichten be­geis­tern weiter. Im Fern­sehen und auf der großen Lein­wand.

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