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Junges Comic Atelier im Institut Francais Berlin

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Von Jen­nifer Stüwe
Fotos : Jen­nifer Stüwe  

Das Ins­titut Fran­cais Berlin hatte schon seit ge­raumer Zeit mein In­te­resse für sich ge­wonnen und es galt nun end­lich dieses kul­tu­relle Eta­blis­se­ment im Maison du France ein wenig zu er­kunden. Das Eck­gebäude am Kurfürs­ten­damm neben dem Ci­nema Paris stellt einen at­trak­tiven An­zug­spunkt für in der Haupts­tadt re­si­die­rende als auch Tou­risten dar. Es ist ein wel­tof­fener Ort mit der Auf­gabe die franzö­si­sche Sprache und Kultur in Berlin und Bran­den­burg zu för­dern. An­hand von Le­sungen, Kon­fe­renzen Dis­kus­sions­runden, Auss­tel­lungen, Kon­zerten und Thea­terstü­cken mit be­deu­tenden zeit­genös­si­schen Kul­tur­schaf­fenden aus Fran­kreich wird hier der in­ter­na­tio­nale Dialog zur Ent­fal­tung ge­bracht. Jeder kommt hier auf seine Kosten und kann die franzö­si­sche Kultur auf seine Art und Weise für sich ent­de­cken und ge­nießen.

Ich begab mich also in die vir­tuelle Welt des Ins­ti­tuts um mir einen Über­blick der an­ge­bo­tenen Events zu ver­schaffen. Meine Vors­tel­lung war es durch die Teil­nahme an einer Ve­rans­tal­tung das Haus näher kennen zu lernen. Das Dur­ch­for­schen des Pro­gramms auf der hau­sei­genen Ho­me­page ließ mich auf einen Kurs im Rahmen der Me­dia­thek stoßen: Das Ate­lier Créa­tion BD. Ein mo­nat­li­ches Zu­sam­men­kommen von Kin­dern, im Alter von 7 bis 13 Jahren und einem er­fah­renen Zeichner, der den Kin­dern die nö­tigen Grund­lagen und Me­thoden des Comic-Zeich­nens ver­mit­telt. Meine Wahl war ge­troffen.

Das Me­dium Comic ist sogar eine ei­genstän­dige Kunst­form und kann simpel als Bild­ges­chichte oder aber auch als se­quen­zielle Kunst be­zeichnet werden. Sie stellt eine Ver­sch­mel­zung von Bil­dener Kunst und Li­te­ratur dar und wurde 1971 von dem franzö­si­schen Li­te­ra­tur­wis­sen­schaftler Francis La­cassin als die „Neunte Kunst“ in den Kanon der bil­denden Künste ein­geordnet. Illus­tra­tionen, Ka­ri­ka­turen oder Car­toons sind ein we­sent­li­cher Teil der Co­mics. Die ty­pi­schen Merk­male bilden Sprech- und Denk­blasen, Pa­nels (Ein­zel­bild) und Ono­ma­to­poe­sien (Laut­ma­lerei).

Jeder kennt es, beim Lesen von Co­mics ents­teht eine Art „Kino im Kopf“, denn der Leser fügt die ein­zelnen Pa­nels selbstständig in seiner Phan­tasie zu einem Film zu­sammen und kons­truiert einen dy­na­mi­schen Ablauf aus sta­ti­schen Bil­dern. Im Ge­gen­satz zur reinen Text­li­te­ratur ist das Kopf­kino ents­pre­chend stärker vi­suell aus­ge­prägt. Ein Kopf­kino-Er­lebnis ge­lingt be­son­ders gut, wenn der Comic-Schöpfer neben seiner texter- und zeich­ne­ri­schen Fä­hig­keit zusätz­lich dra­ma­tur­gi­sche Tech­niken der Film­kunst kennt und an­wendet.

Co­mics wie von As­terix und Obelix oder Mi­ckey Mouse sind all­seits be­kannt und we­cken bei dem einen oder an­deren ver­gan­gene Kind­heit­se­rin­ne­rungen. So auch bei mir, wobei diese kleinen illus­trierten Se­quenzen bis heute für mich nicht an At­trak­ti­vität ver­loren haben. Meine erste Be­ge­gnung mit dem Ins­titut Fran­cais im Rahmen des Ate­lier Créa­tion BD konnte nun hoch er­war­tungs­voll in die Tat um­ge­setzt werden.   

Lilli Loge, die Kurs­lei­terin, ar­bei­tete zu diesem Zeit­punkt ge­rade an ihrer neuen Comic Veröf­fent­li­chung na­mens „Lies die kind“, ne­benbei un­terstützt sie die Re­nate, Deut­schlands ein­zige Co­mic­bi­blio­thek in der Tu­chols­kystr. Berlin. Der Zei­chen­kurs ist so auf­ge­baut, dass jede Ve­rans­tal­tung einen wich­tigen Tei­las­pekt der Comic-Ges­tal­tung be­han­delt. Thema dieser Sit­zung war die Dars­tel­lung von Emo­tionen. Wie also ve­rhält sich die Mimik oder die Gestik bei Men­schen in bes­timmten Gefühls­zuständen? Ein­geführt in diese The­matik hat Lilli Loge die 5 teil­neh­menden Kinder, deutsch-franzö­si­schen Urs­prungs, mit Hilfe einer Ge­sichts­form aus Pappe, auf die ver­schie­de­nar­tige Au­gen­paare, Münder und Au­gen­brauen auf­ge­legt und an­ge­passt werden sollten um einen bes­timmten emo­tio­nalen Aus­druck zu ver­mit­teln. Das ließen sich die Kinder nicht zweimal sagen und ver­suchten an­hand ihrer Er­fah­rungen die un­ter­schied­lichsten Ge­sicht­saus­drücke zu re­kons­truieren. An­schließend wurde diese Übung am le­benden Bei­spiel er­probt. Wie siehst du aus wenn du neu­gierig oder traurig bist?  

Nach dieser in­ten­siven Sen­si­bi­li­sie­rung für Ge­sicht­saus­drücke war es Zeit das er­lernte im Comic-Zei­chen­pro­zess ein­zu­setzen. Es sind tolle Bil­der­folgen mit beein­dru­ckenden und lus­tigen Dars­tel­lungen ents­tanden, die zeigen, dass die Kinder sich be­wusst mit dem sonst so un­be­wussten Ges­chehen der Mimik und Gestik au­sei­nan­der­ge­setzt hatten.  

Die Me­dia­thek ist ein pas­sender Ort für die Abhal­tung dieser Ve­rans­tal­tung, um­geben von einer großen Aus­wahl von franzö­si­scher Li­te­ratur und Au­dio­for­maten. Es herr­schte eine krea­tive At­mos­phäre, die durch die  Räum­li­ch­keiten des Ins­ti­tuts un­ters­tri­chen wurde und mir einen sehr po­si­tiven ersten Ein­druck des Ins­ti­tuts ver­mit­telten.

Das Ate­lier Créa­tion BD hat ver­deut­lich wie viel Krea­ti­vität und Freude da­hinter steckt ein Comic selbst zu ges­talten oder die Bild­ges­chichte eines an­deren zu lesen. Die Um­set­zung der in­di­vi­duellen Ideen und Vors­tel­lungen auf das Pa­pier er­for­dert viel Ein­falls­reichtum und ist, ganz im Ge­gen­teil als in ver­gan­genen Zeiten be­hauptet, eine phan­ta­sieför­dernde Kunst­form mit gren­zen­losen Mö­gli­ch­keiten, die Jung und Alt Spaß bringt.

Mein Be­such im Ins­titut Fran­cais wird nicht der letzte ge­wesen sein und ich be­wege mich schwer be­rei­chert mit einem Ge­sicht­saus­druck der Freude Rich­tungRe­nate

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