Handlungsbereitschaft - Skizze einer Generation am Ende der Geschichte

Drucken

Performance. Anonymer mit Erdbeereis. Am Ende blieb nur ein rosa Fleck auf dem Boden.

Von Madlen Stange
Über­set­zung Thomas Hess/ Madlen Stange
Lek­torat Antje Springer
Bilder: Stefan Katz

Weißes Neon Licht, ein sch­warz gek­lei­deter Mann steht re­gung­slos in einer Gruppe aus mi­tei­nander mur­melnden Men­schen. In seiner Hand ein trop­fendes Erd­bee­reis. Sch­warze Brillen­gläser ver­de­cken seine Augen. Ob er dem Eis beim Sch­melzen zu­sieht? Das Eis tropft. Und tropft. Mit­tler­weile sind zehn Mi­nuten ver­gangen und allmäh­lich ver­binden sich die Tropfen auf dem kalten Erd­boden zu einer rosa Pfütze. Eine halbe Stunde später ist auch diese das Ein­zige, was bleibt, die sch­warze Person ist ver­sch­wunden. We­nige Au­gen­blicke später, ein paar Meter weiter, im Freien, dreht sich ein Auto im Kreis. Die Vor­derräder sind ma­ni­pu­liert, so­dass die Dre­hung die ein­zige Rich­tung des Fahr­zeugs bleibt. Am Steuer sitzt eine Person, doch es ist be­reits zu dunkel, um zu er­kennen, um wen es sich han­delt. Die Zeit ver­geht und das Auto be­wegt sich, ro­tie­rend um die ei­gene Achse, viel­leicht ein-zwei Meter von seinem Start­punkt. Das Sze­nario endet mit einem nicht ganz un­gefähr­li­chen Ka­mi­kaze Abs­prung des Fah­rers. Aber das Auto dreht sich, bis der letzte Tropfen Sprit ver­braucht ist.

Beide Dars­tel­lungen ve­reinen den Akt des Pas­sieren-Las­sens auf ver­schie­dene Weisen. Ein In­di­vi­duum schaut – mehr oder we­niger re­gung­slos dem Lauf der Dinge zu, ohne den Pro­zess in ir­gen­deiner Weise zu stören oder zu un­ter­bre­chen. Und doch sind beide Per­sonen Bes­tand­teil des­selben, dem sie sich am Ende gar kom­men­tarlos ent­ziehen. Beide Szenen spielten sich wäh­rend der Eröff­nung der The­me­nauss­tel­lung „Hand­lung­sbe­reit­schaft – Skizze einer Ge­ne­ra­tion am Ende der Ges­chichte“ ab. Or­ga­ni­siert von den jungen Kuns­this­to­ri­kern Mona El Bira, Lia­Maria Hil­lers und Ju­lian Malte Schin­dele, waren im Sep­tember 2011 die Werke ver­schie­dener junger Künstler im Mica Moca in Berlin Wed­ding für knapp 4 Tage zu sehen. Thema war die Grund­stim­mung einer Ge­ne­ra­tion, und zwar der heute 20- 30 Jäh­rigen, die sich aus den ver­schie­denen Pers­pek­tiven der aus­ges­tellten Werke zu­sam­men­setzte.

Im Grunde möchte die Auss­tel­lung eine In­ne­nan­sicht der Ge­ne­ra­tion der heute 20 - 30 Jäh­rigen wagen. „Es ist ers­taun­lich, ge­rade durch die in­ter­na­tio­nalen Be­we­gungen im letzten Jahr ge­winnt die Auss­tel­lung an un­glau­bli­cher Ak­tua­lität“, sagt Ju­lian Schin­dele, Ku­rator und Mi­tor­ga­ni­sator. Die Auss­tel­lung soll die Pro­ble­matik einer scheinbar apo­li­ti­schen Ge­ne­ra­tion junger Er­wach­sener in einer li­be­ralen de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft aus der Pers­pek­tive der An­gek­lagten selbst schil­dern. „Ohne jede Vor­gabe ents­tand die Aus­wahl der Werke aus der ei­genen Sub­jek­ti­vität und viel­leicht auch den ei­genen Nö­ten“, meinen die Or­ga­ni­sa­toren. Alle drei sind Mitte 20 und leben in Berlin.
Die Themen in „Hand­lung­sbe­reit­schaft“ abs­tra­hieren ak­tuelle Pro­ble­ma­tiken mit den Mit­teln der Kunst und um­kreisen so den un­ru­higen Stand­punkt vieler junger Er­wach­sener in un­serer heu­tigen Ge­sell­schaft.German Boy (Martin Bothe). Unter Handlungsbereitschaft versteht man das Potential zu handeln, den inneren Antrieb, sämtliche innere Faktoren, die Verhalten auslösen können. Geprägt wurde der Begriff durch die Psychologie.Fast 40 Werke, al­le­samt Ar­beiten junger Dresdner und Ber­liner Künstler, werfen den Fokus in ver­schie­dene Rich­tungen, und setzen ganz un­ter­schied­liche Sch­wer­punkte zur Beant­wor­tung der Frage. Zeich­nungen, Ma­lerei, Skulptur und Vi­deo­kunst the­ma­ti­sieren Pa­ra­doxien der heu­tigen Zeit und halten dem Be­su­cher einen Spiegel vor, da man in vielen der Werke auch ein Stück der ei­genen Ges­chichte wie­der­findet.

Da sind bei­spiels­weise die Ar­beiten von Martin Bothe, eine simple Sch­nitt­vor­lage aus Pa­pier in Form eines Hauses auf dessen Seiten groß ab­ge­druckt das Ge­sicht des Künst­lers zu sehen ist. Die Persön­li­ch­keit zum Selber-Bas­teln. Das Haus steht an­de­rer­seits auch für eine Welt, die nur der ei­genen Person zu­trä­glich ist, wenn gleich sie auch eine wich­tige Schutz­funk­tion inne hat. Schutz und Ab­gren­zung des In­di­vi­duums zur Außen­welt be­deutet auch Schutz der Persön­li­ch­keit. Wie stark sind die Wände diese Hauses, wer hat die bes­seren Bau­ma­te­ria­lien? Eine ehr­liche Me­ta­pher, die in ihrer Ein­fa­ch­heit in viele Rich­tungen strahlt: In­di­vi­dua­lität, die Be­deu­tung des zu Hause – vieles deutet auf die Be­deu­tung einer in­te­geren Persön­li­ch­keit in der heu­tigen Zeit und da­rauf, was einen zur „Persön­li­ch­keit“ macht. Auch die Zeich­nung „German Boy“, eben­falls aus der Feder Bo­thes, ist eine beein­dru­ckende Dars­tel­lung: eine dünne Linie formt eine sit­zende Ges­talt, ohne Ge­sicht, ohne Hände, ohne Füße - man könnte meinen, da sitzt ein Je­mand ohne Iden­tität und ohne In­ter­ven­tionsmö­gli­ch­keiten und so­fort steigt ein Gefühl der Ent­fer­nung und des Still­standes auf. Man fragt sich, wie kenn­zeich­nend ein sol­ches Bild für un­sere heu­tige Zeit ist? Was ist die Basis der men­schli­chen Hand­lung­smö­gli­ch­keiten?

Eine an­deren An­satz zeigt die Ar­beit von Lea Stef­fens, Stu­dentin an der Uni­ver­sität der Freien Künste, Berlin, die in ihrer Zeich­nung sehr kon­kret ans­pricht: „I miss U MTV“. Ein sehnsüch­tiger Blick zurück. Er geht in die Pop-Welt der 90er Jahre und damit auch zurück in ein Me­dien­system, dessen In­for­ma­tions­fluss ein an­derer als heute war. Ohne Web 2.0 war er vor allem eins: ein­seitig. Das Un­te­rhal­tungs- und In­for­ma­tions­mo­nopol der Mas­sen­me­dien hatte da­mals noch einen an­deren Stel­len­wert und machte jeden ein­zelnen Re­zi­pienten zum Kon­su­menten auf im­ma­te­rieller wie ma­te­rieller Ebene. Man erin­nert sich an das pop­mu­si­ka­li­sche Agen­da­set­ting von MTV, die neusten Nike-Turn­schuhe, Coca Cola etc. Im­me­rhin waren die Ju­gend­li­chen der 90er Jahre die ersten, denen die Op­tion offen stand, sich wäh­rend ihrer Pu­bertät, auf der Suche nach Iden­tität eben in jenen Pro­dukten und Me­die­nan­ge­boten zu ver­lieren (wenn sie dies auch un­be­wusst taten). Nach der Talk-Schow-Ära, man erin­nert sich an Ara­bella Kies­bauer) kamen we­nige Jahre später die ersten Rea­lity Schows, die das Ve­rhältnis zwi­schen Me­dien und dem Kon­su­menten, oder Pri­vatem und Öf­fent­li­chem verän­derten. Was, wenn nicht das Fern­sehen war es, das diese Ge­ne­ra­tion ein­schlägig prägte?

Di­gital Na­tives oder lieber Ge­ne­ra­tion Peter-Pan?
Die Arbeit Noch nie war der Dis­kurs über Ge­ne­ra­tio­nen­phä­no­mene lauter als heute. Gar in­fla­tionär ver­wendet wird jener Be­griff Ge­ne­ra­tion. Die Bio­logie vers­teht da­runter Or­ga­nismen mit einem bes­timmten Fortp­flan­zung­smodus, oder auch durch Abs­tam­mung mi­tei­nander ver­bun­dene Le­be­wesen. In der Technik de­fi­niert man so bes­timmte Geräte glei­cher Bau­weise. In der So­zio­logie bes­chreibt der Ter­minus Men­schen un­gefähr glei­chen Al­ters, deren ähn­liche So­zia­li­sie­rung­sbe­din­gungen Eins­tel­lungen und Le­bens­weise prägen. Dies schafft zwi­schen den an­gehö­rigen einer Ge­ne­ra­tion eine be­son­dere Ver­bin­dung, ein Wir-Gefühl.
Die Ver­ge­mein­schaf­tung führt in un­serer aus­dif­fe­ren­zierten Ge­sell­schaft zu dem Phä­nomen, dass in der Öf­fent­li­ch­keit eine ganze Ty­po­logie von Ge­ne­ra­tions­be­griffen zu finden ist. Dies nennt sich auch ge­ne­ra­tion buil­ding: Ge­ne­ra­tion Prak­tikum, Di­gital Na­tives, Ge­ne­ra­tion Netz­werker oder Ge­ne­ra­tion Y (die Na­ch­fol­ge­ge­ne­ra­tion der Ge­ne­ra­tion X, ein po­li­tisch ge­prägter Be­griff der die um 1960- 1970 ge­bo­rene Na­ch­krieg­sge­ne­ra­tion be­nennt). Die Liste kann be­liebig fort­geführt werden: Ge­ne­ra­tion Hartz 4, Ge­ne­ra­tion Mac usw. Fas schon lie­be­voll klingt Ge­ne­ra­tion Peter Pan – ge­meint sind all jene, die am liebsten nie er­wachsen werden wollen. Dieser Pro­zess heißt in der Pä­da­gogik pro­lon­gierte Ado­les­zenz. Nach dieser Theorie sind es vor allem Stu­denten, die wegen ihrer - im Ver­gleich zu an­ders Aus­ge­bil­deten - langen Über­gang­sphase zwi­schen Kindes- und Er­wach­se­ne­nalter (meint die volle Er­werbstä­tig­keit) häu­figer von persön­li­chen Krisen und Kon­flikten be­troffen sind.
Auch gibt es den Be­griff Mil­le­nials, der eben­falls die Ko­horte be­zeichnet, die 2010 in den 20ern - 30ern steckte. Ge­meint sind hier die Ge­winner der di­gi­talen Re­vo­lu­tion, mo­dern, in­ter­net­kom­pe­tent, hoher Bil­dung­ss­tand, mobil etc. Al­ler­dings zeigen Stu­dien, dass sinn­voller der Um­gang mit dem In­ternet für viele Nutzer immer mehr zum Pro­blem wird, so auch die Studie des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­riums, nach der in Deut­schland über eine halbe Mil­lion Men­schen in­ter­netsüchtig sind. Wie steht es da mit der Inans­pruch­nahme der Ver­samm­lungs- und Ar­ti­ku­la­tions­funk­tion des In­ternet? Wie sch­nell ver­pufft die kom­mu­ni­ka­tive Macht der Ge­ne­ra­tion In­ternet, wenn diese ihre Ve­rant­wor­tung nicht über­nehmen kann?
Zum Um­gang mit neuen Me­dien gibt die Ar­beit Martin Ko­houts einen in­te­res­santen Kom­mentar: mit sinem stummen Video-Loop „Wat­ching Martin Ko­hout“ the­ma­ti­siert er die teil­weise irr­wit­zige Kom­mu­ni­ka­tion, die das Web2.0 heute ermö­glicht. Im Video zeigt sich der Künstler selbs in re­gungs- und emo­tions­loser Pose beim An­sehen von You­toube-Filmen, die er dann wie­derum als Kom­mentar auf der Film-Platt­form pos­tete.
Der Be­trachter fragt sich nach dem Sinn des ganzen Kom­men­tie­rens und Mit­tei­lens. Was für eine Mo­ti­va­tion steht da­hinter? Wenn man den Ge­danken ins Ex­treme spinnt, dreht sich hier eine Abwärtss­pi­rale, bei der sich Masse und Prä­senz immer weiter von In­halt und Re­le­vanz ent­fernen.

Und doch kein Ende der Ges­chichte?

Die Auss­tel­lung bleibt mit jenen re­flek­tierten Po­si­tionen ein Do­ku­ment ihrer Zeit. Und den­noch scheint die Sta­tistik den Ge­gen­be­weis zu lie­fern, denn ver­schie­dene Stu­dien be­weisen einen deut­li­chen Ab­fall öf­fent­li­cher In­te­ressen eben dieser Ge­ne­ra­tion, der heute 20 - 30 Jäh­rigen.
Vor zehn Jahren führte das Ber­liner Max-Planck-Ins­titut eine Studie zur po­li­ti­schen Hand­lung­sbe­reit­schaft von Ju­gend­li­chen im Alter von 14 - 15 Jahren in Deut­schland durch. Diese war al­ler­dings nur Teil eines in­ter­na­tional an­ge­legten Pro­jektes: Die In­ter­na­tional As­so­zia­tion for the Eva­lua­tion for Edu­ca­tional Achiev­ment (IEA) be­fragte in diesem Zei­traum 95.000 Ju­gend­liche im Alter von 14 bis 15 Jahren in 29 Län­dern der Welt. Da­mals war das Ziel der Un­ter­su­chung, mehr über die He­ran­wach­senden und ihre po­li­ti­sche Pas­sion oder auch Apa­thie zu er­fahren, noch bevor sie das tatsä­chliche Sta­dium eines Bür­gers mit Rechten und Pflichten er­reicht haben. Die Er­geb­nisse waren nicht er­schüt­ternd, den­noch beach­tens­wert: Ju­gend­liche aus rei­chen In­dus­tries­taaten zeigten eine si­gni­fi­kant ge­rin­gere po­li­ti­sche Hand­lung­sbe­reit­schaft als Ju­gend­liche aus är­meren Staaten. Die Eins­tel­lung wurde über die Wahl von le­galen Me­thoden, wie Wahl­be­tei­li­gung, so­ziales En­ga­ge­ment, Teil­nahme an De­mons­tra­tionen, oder ille­galen Me­thoden, bei­spiels­weise der Blo­ckade von Bahn­gleisen, Gra­fitti sprühen etc. er­fasst.
Am ak­tuell­sten und um­fas­send­sten sind Er­geb­nisse der Schell Ju­gend­stu­dien, die einmal jähr­lich in einer re­prä­sen­ta­tiven Be­fra­gung den kom­pletten In­te­res­sen­sho­ri­zont junger Men­schen in Deut­schland abs­cannt. Da Schell diese Studie seit 1984 dur­chführt, lassen die Ana­lysen auch einen Lang­zeit­ver­gleich zu: Im Jah­res­quer­sch­nitt zeigen die Er­geb­nisse, dass das po­li­ti­sche In­te­resse der Ge­ne­ra­tion der 15 - 24 Jäh­rigen in den 90er Jahren kon­ti­nuier­lich sank. Erst seit 2002 stieg die Quote wieder allmäh­lich an. Sie hat aber noch lange nicht ihren vo­rhe­rigen Stand er­reicht.

Was sagt uns das heute: Ers­tens scheint das Pro­blem die deut­schen Staats­grenzen zu über­ragen. Zwei­tens hat wohl wirk­lich eine Ver­la­ge­rung von Mo­ti­va­tion für öf­fent­liche po­li­ti­sche Dinge zu an­deren, viel­leicht persön­li­chen Sch­wer­punkten statt­ge­funden.

„Da gibt es den immer fortwäh­renden Vor­wurf der Al­tach­tund­se­ch­ziger, un­sere Ge­ne­ra­tionder heute 20 bis 30-Jäh­rigen hätte jedes Gefühl für ge­samt­ge­sell­sa­chft­li­ches En­ga­ge­mentund de­mo­kra­ti­sches Ve­rant­wor­tungs­be­wusst­sein ver­loren. Die Auss­tel­lung"Hand­lung­sbe­reit­schaft - Skizze einer Ge­ne­ra­tion am Ende der Ges­chichte" be­weistschon al­lein durch die Tat­sache, dass sie ver­wirk­licht und äußerst er­fol­greichan­ge­nommen wurde, dass es eine Be­we­gung gibt, die sich dem ent­gegen stelllt. Hierwurde und wird ein Raum ges­chaffen, an dem die Po­si­tio­nie­rung einer ganzen Ge­ne­ra­tionneu ve­rhan­delt und re­flek­tiert werden kann. Nutzen wir diese Chance“, Luisa Maria Sch­weizer, Eu­ro­pean Al­ter­na­tives.

So ist eine Ge­ne­ra­tion eben auch so­ziale Tat­sache und Ge­ne­ra­tio­nen­for­schung eine Mö­gli­ch­keit, den ge­sell­schaft­li­chen Wandel zu struk­tu­rieren. So­ge­nannte Selbst­the­ma­ti­sie­rungen, wie es diese Auss­tel­lung auch dars­tellt, sind ein gän­giges Ana­ly­se­kon­zept. Mo­mentan tau­chen bei­spiels­weise auch immer mehr sol­cher Selbs­ta­na­lysen in der Li­te­ratur auf: Und ir­gendwie ist das größte Pro­blem dieser Ge­ne­ra­tion wohl das ei­gene „Ich“. Am schlimm­sten ist die Angst vor fal­schen Ent­schei­dungen, meint Nina Pauer: „Wir sind an­de­rer­seits die äng­st­lichste Ge­ne­ra­tion weil wir eben unter sehr starkem psy­chi­schem Druck stehen, der uns in The­ra­pien, zu Rü­ckenärzten und Yo­ga­leh­rern usw. treibt.“, sagt die freie Au­torin über ihre ei­gene Ge­ne­ra­tion. Es wäre das ein­zige Pro­blem, die rich­tige Ver­sion un­seres Selbst zu finden, spricht sie weiter zu einer ZDF- Re­por­terin. Nina Pauer schreibt für „Zeit-on­line“, lebt in Berlin und veröf­fent­lichte kürz­lich ihr erstes Buch „Wir haben keine Angst, Grup­pen­the­rapie einer Ge­ne­ra­tion“. Der Neon-Orange gefärbte Bu­chein­band sch­merzt etwas in den Augen. Wer das Buch liest, er­kennt, die Ges­chichte ist symp­to­ma­tisch. Zeit­gleich er­schienen der Roman von Me­re­dith Haaf „Heult doch! - Über eine Ge­ne­ra­tion und ihre Luxus­pro­bleme “. Eben­falls in Berlin le­bend schrieb die Au­torin ihr zweites Buch di­rekt nach dem Uni­ver­sität­sab­schluss und trifft damit ins Sch­warze – eine kri­ti­sche Ana­lyse ihrer Al­ters­ge­nossen., die nicht nur den status quo, son­dern auch Ur­sa­chen und Zu­sam­menhänge von Kom­mu­ni­ka­tionswut, Kon­sumz­wang und Äng­sten in ge­sell­schafts­po­li­ti­schem Kon­text re­flek­tiert.
Performance von Julius von Bismark – ein rotierendes altes Auto, in dem er selbst saß.

Der Nach­satz „Ge­ne­ra­tion am Ende der Ges­chichte“ ents­tammt übri­gens einem kon­tro­vers dis­ku­tierten Ausruf des ame­ri­ka­ni­schen Po­li­tik­wis­sen­schaft­lers Francis Fu­kuyama. Im Jahre 1992 veröf­fent­lichte er sein Buch mit glei­chem Titel, „Das Ende der Ges­chichte“, was den Stand­punkt ver­tritt, das li­be­rale De­mo­kratie-Mo­dell des Wes­tens sei mit dem Fall der Ber­liner Mauer und dem Schei­tern des Kom­mu­nismus endgültig am Ziel an­ge­langt – in einer Welt, in der es keine Wi­ders­prüche mehr gibt. In den Feuille­tons dis­ku­tiert, ist dies eine ei­gen­willige In­ter­pre­ta­tion der He­gel­schen Deu­tung von Ges­chichte, den­noch ein übers­pitzter und ge­lun­gener Titel für ein Auss­tel­lung­spro­jekt.
Die Dresdner Mo­to­ren­halle zeigte bis Mitte Ja­nuar 2012 übri­gens eine ähn­liche Auss­tel­lung wie sie das Trio El Bira, Hil­lers-Schin­dele in Berlin or­ga­ni­sierte: «Folge der Ge­ne­ra­tionen » the­ma­ti­sierte in etwas an­derer Weise eben auch dieses Wir-Gefühl (hier von meh­reren Ge­ne­ra­tionen) und hin­ter­fragt die heu­tige Le­bens­kultur des Ka­pi­ta­lismus hin­sicht­lich ihrer Be­deu­tung für den Ein­zelnen und dessen Selbst­ver­wirk­li­chung.

Im Au­gust 2012 wird dann die zweite Au­flage von Hand­lung­sbe­reit­schaft ge­zeigt. Diesmal in den Kunst­saelen Berlin, einer re­nom­mierten Ga­lerie für zeit­genös­si­sche Kunst in Berlin Schö­ne­berg.